Interview mit Florian Kollewijn von der CHANCEN eG

SuperCode steht für digitale Bildung für alle – die Kooperation mit der CHANCEN eG machts möglich.

Wir von SuperCode verstehen uns als ein modernes und nachhaltiges Bildungsinstitut. Unsere Kurse im Bereich Web Entwicklung und IoT richten wir nach den Bedürfnissen der Teilnehmenden und den Anforderungen des Marktes, als auch der Gesellschaft von Morgen aus.

Wir wollen Bildung für alle anbieten, die unsere Leidenschaft für Digitales teilen – unabhängig davon wie viel Papi und Mami verdienen, ob ein Bildungsgutschein vom Jobcenter möglich ist oder einer risikoreichen Verschuldung nötig ist.

Aber wie geht das? Durch die Kooperation mit der CHANCEN eG und deren umgekehrten Generationenvertrag ist das möglich.

Lisa von SuperCode hat mit Florian, dem Co-Founder der CHANCEN eG gesprochen und stellt euch hier vor, wie eine chancengleiche Finanzierung der Bootcamp Kurse funktioniert.

Hallo Florian, wir freuen uns, dass sich unsere Teilnehmenden durch eure Unterstützung den Traum vom Programmieren verwirklichen können. Du bist Mitgründer der CHANCEN eG, wie seid ihr auf die Idee des Umgekehrten Generationenvertrages gekommen?

Die Idee geht auf ein studentisches Projekt an der privaten Universität Witten/Herdecke zurück. Seit der Gründung in den 80er Jahren wurde die Universität durch private Spenden finanziert, aber 1995 reichte das nicht mehr und es wurden Studiengebühren eingeführt. Um allen Menschen weiterhin das Studieren in Witten/Herdecke zu ermöglichen, entwickelten Studierende den Umgekehrten Generationenvertrag. Das Konzept wurde stetig weiterentwickelt und heute nutzen es 2/3 der Studierenden in Witten/Herdecke.

Die zwei Kernüberlegungen sind die Folgenden: Erstens, wir bilden uns, damit wir qualifiziert sind und später im Job Geld verdienen können. Das heißt, dass wir doch erst nach unserer Ausbildung Geld zur Verfügung haben, und nicht vor oder während dessen. Und zweitens sollen die Rückzahlungen dem Gehalt entsprechen und sich flexibel an die jeweilige Lebenssituation anpassen, daher zahlen alle einen Prozentsatz ihres Einkommens und keinen fixen Betrag zurück.

Mein Mitgründer und ich erkannten in diesem Modell ein großes Potenzial und wollten es mehr Menschen zugänglich machen, so haben wir 2016 die CHANCEN eG gegründet. Unsere Vision ist es, dass sich Menschen frei nach Fachinteresse und Motivation für einen Bildungsweg und einen Beruf entscheiden.

Der Umgekehrten Generationenvertrag bietet also Bildung unabhängig vom finanziellen Hintergrund, und wie genau funktioniert das?

Eigentlich ganz einfach. Die CHANCEN eG übernimmt während der Ausbildung oder des Studiums die Gebühren. Nach dem Berufseintritt und ab einem Mindesteinkommen von 21 000 Euro netto zahlen die Studierenden dann einen prozentualen Anteil des Einkommens zur Finanzierung weiterer Generationen zurück. Die Rückzahlung passt sich an die individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten an und es besteht kein Risiko durch fixe Schuldenlast oder starre Tilgungsverpflichtung. Die CHANCEN eG ist eine Solidargemeinschaft, genossenschaftlich organisiert. Das bedeutet, dass die finanziell Bessergestellten die weniger Verdienenden mittragen, das gleicht sich im Durchschnitt aus: Das Risiko wird gemeinschaftlich übernommen.

Quelle: https://chancen-eg.de/das-modell

Und nun konkret im Fall von SuperCode, was bedeutet das wenn ich das Bootcamp absolviere?

Während des Bootcamps bei SuperCode übernimmt die CHANCEN eG die Kursgebühren. Du kannst dich dann voll und ganz aufs Coding konzentrieren. Sobald du einen Job mit einem maßgeblichen Einkommen über 21 000 Euro hast, beginnt dann deine prozentuale Rückzahlung für 5 Jahre.

Quelle: https://chancen-eg.de/supercode

Und wie kann ich bei euch Stipendiat*in werden? Gibt es Auswahlkriterien?

Wir haben ein Auswahlverfahren auf das du dich mit deinem Lebenslauf und Motivationsschreiben bewirbst. Dann laden wir dich zum persönlichen Gespräch ein, in dem wir deine Motivation und deine Ambitionen kennenlernen möchten: einerseits deinen Antrieb Programmierer*in zu werden und andererseits deine Identifikation mit der Solidargemeinschaft der CHANCEN eG. Das wars schon. Formale Kriterien gibt es wenig, nur, dass du EU Bürger*in und Bildungsinländer*in sein musst und nicht über 45 Jahre alt sein darfst.

Wer sind eure Partner und was ist euch wichtig bei diesen?

Wir legen viel Wert auf eine hohe Bildungsqualität und wichtig ist auch, dass das Bildungsangebot zu Arbeit führt. Das sind die zentralen Kriterien bei unserer Partnerwahl. Ansonsten lieben wir innovative Bildungsideen, hinter denen ein konkreter Bedarf in der Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt steht. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn das Angebot die unzureichende öffentliche Bildung komplementiert. So ist das im Bereich Medizin und Web Entwicklung: Diese Expert*innen werden händeringend gesucht und viele Menschen möchten eine Ausbildung machen, doch es mangelt an öffentlichen Bildungsangeboten.

Eigentlich arbeiten wir sehr selten mit neu gegründeten Bildungsanbietern zusammen, aber bei SuperCode ist das anders. Nach dem ersten Treffen und aufgrund eurer Vorerfahrung waren wir von einer Kooperation sofort überzeugt.

Und was hat euch überzeugt mit SuperCode zu kooperieren?

Die jahrelange Erfahrung im Bereich digitaler Qualifizierung. Das gesamte Team besteht aus Expert*innen in diesem Bereich und kann aus viel Erfahrung schöpfen, um die Neugründung zum Erfolg zu führen. Außerdem ist ein gutes Netzwerk der Schlüssel zum Jobeinstieg und SuperCode ist extrem gut in die Start-up- und Wirtschafts- Szene NRWs eingebunden. Uns gefällt auch der regionale Fokus auf NRW, die meisten Coding Schools sitzen in Berlin oder Hamburg, aber NRW hat so ein großes Potenzial. 

Noch eine letzte Frage: Wo steht ihr heute und was ist eure Vision für die Zukunft?

Für Deutschland ist unser Ziel durch weitere Partnerinstitute zu wachsen und damit mehr Bildungsangebote und Menschen zu fördern. Außerdem arbeiten wir daran auch öffentliche Bildungseinrichtungen aufzunehmen und Lebenshaltungskosten zu übernehmen. Damit können wir Menschen fördern, die kein BAföG erhalten. Auf europäischer Ebene möchten wir Medizinstudierende und Coding Schools fördern. International sind wir bereits tätig und fördern derzeit 1000 Studierende in Ruanda. Eine Partnerschaft mit einer Coding School in Ostafrika ist auch schon in Planung. Wir sind davon überzeugt, dass der Umgekehrte Generationenvertrag auch für andere Teile der Welt ein nachhaltiges Modell zur Finanzierung von höherer Bildung ist. Unsere Vision lautet: finance education that leads to employment. 

Vielen Dank für diesen Einblick Florian. Ich freue mich schon auf unsere ersten Stipendiat*innen bei euch. Und viel Erfolg bei der Verwirklichung eurer Vision!

Hier erfahrt ihr mehr zur CHANCEN eG und dem UGV: https://chancen-eg.de/https://player.vimeo.com/video/314771427