Virtualisierung einer Akademie in zehn Tagen

Das Unternehmen SuperCode wurde im Sommer 2019 in Düsseldorf gegründet. Es bietet IT-Weiterbildungen in Form von „Bootcamps“ an und beschäftigt 12 Mitarbeiter. Während im März fast alle Bildungseinrichtungen in NRW geschlossen wurden hat SuperCode den Unterricht in virtuelle Klassenräume verlegt und baut das Bildungsangebot weiter aus.

Ein Gespräch mit dem Geschäftsführer Sergio Cardéal über Chancen in der Krise, über Tools, die eigentlich jeder nutzen kann und was man aus gerissenen Deadlines lernen kann.


Wie ist die Stimmung?
Prima. Ich komme gerade aus einem Teammeeting bei Google Hangout. Wir kommen voran, es wird viel gelacht. Manchmal habe ich den Eindruck, die täglichen Meetings bringen mehr Freude, wenn alle Home Office machen. Ist irgendwie interessanter, als wenn man sowieso den ganzen Tag im Büro zusammen abhängt.


Ihr habt Eure Trainings alle auf online umgestellt. Was sind das für Kurse und wie ging die Umstellung?

Wir bilden in Intensivkursen („Bootcamps“) in drei bis fünf Monaten zum Web-Entwickler aus. Wir wollen erreichen, dass die Teilnehmer sich nach dem Kurs ihren Job aussuchen können, mit dem sie in der IT starten. Unsere Vollzeitkurse sind Präsenzkurse mit einem Umfang zwischen 700 und 1.100 Stunden und von der Agentur für Arbeit zertifiziert. Bundesweit sind wir, wenn ich mich nicht irre, erst der zweite Anbieter, der zertifizierte Bootcamps im Angebot hat.

Vor knapp zwei Wochen wurde klar, dass wir wegen Corona mit unseren Präsenzkursen nicht weitermachen können. Wir haben im Team überlegt, welche Möglichkeiten wir haben. Niemand wollte Pause oder Coronaferien machen, also gab es keine Wahl: Wir mussten unser Angebot auf online umstellen - und zwar sofort.

In den Tagen darauf haben wir richtig Gas gegeben, Konzepte für einige hundert Stunden Unterricht umgeschrieben, parallel dazu die Software für die Virtualisierung der Trainings eingerichtet und getestet. Ein drittes Team hat sich um die Dokumentation aller Änderungen gekümmert, damit wir keine Zeit verlieren und das Online-Angebot sofort nach Fertigstellung beim Zertifizierer einreichen konnten. Das hat dann tatsächlich auch geklappt.

 

Welche Software-Tools nutzt ihr für die Virtualisierung Eures Kursangebotes?
Slack und Google Hangouts zur synchronen Kommunikation im Trainerteam. Asynchron setzen wir wie viele andere auch auf E-Mail, Asana und Trello.

Im Kursverband nutzen wir diese Tools auch, da kommen aber noch weitere Lösungen zum Einsatz:

Wichtig für das Lernerlebnis der Teilnehmer am heimischen PC ist Visual Studio Live Share. Da kann man den Trainern beim coden über die Schulter gucken - oder zuschauen, wie andere Kursteilnehmer den eigenen Code verbessern.

Über GitHub wirft im Laufe des Tages jeder Teilnehmer seine Ergebnisse ab - am nächsten Morgen bekommt man dann Feedback vom Trainerteam.

Die Organisation der Kurse läuft über Google Classroom.

Welche Hardware wird von Euch verwendet?
Besondere Hardware haben wir nicht im Einsatz: Wir nutzen vier Videokameras aus dem Mediamarkt zum Streamen und einige Mikrofone/Headsets für die Trainer.

Das ist alles?
Eine Besonderheit ist die Software „Techfit“, unser selbstgebauter Ferrari in der Garage: Techfit ist eine Software, mit der man gleichzeitig coden, den Trainer im Video sehen und mit anderen chatten kann und gleichzeitig sieht, wie man vorankommt. Wir entwickeln und testen die Software noch, deswegen kommt sie momentan nur pointiert zum Einsatz. 

Wie kommt der Online-Unterricht an?
Wir messen einmal im Monat die Stimmung bei unseren Kursteilnehmern. Die letzte Umfrage ist noch ganz und bezog sich schon auf den Online-Kurs. Die Ergebnisse sind genauso gut wie bei den Präsenzkursen. Das freut uns.

Erzähl mal, was hat bei der Umstellung nicht geklappt?
Fast alles hat geklappt. Mal abgesehen davon, dass wir zweimal selbst gesetzte Deadlines gerissen haben. Da würde ich in Zukunft realistischere Zeitpläne aufstellen.  Insgesamt fiel uns die Umstellung gar nicht so schwer, weil wir bei dem von uns angebotenem Teilzeitkurs schon von Beginn an auf eine hybride Unterrichtsform gesetzt haben - viele Learnings konnten wir deshalb aus diesen Modulen übernehmen. 

Wie schätzt Du die Corona-Krise geschäftlich ein?
Oh. Ich bin echt nicht gut im Wahrsagen. Aber der Bereich Weiterbildung wird einen Kick bekommen. Weil Millionen Menschen plötzlich Zeit haben, sich mit neuen Sachen zu beschäftigen. Das bringt alle weiter. Das ist das Gute an der Krise.

Blogpost von DigiHub: DigiHub Link